Der historische Hintergrund
1871, nach dem großen Sieg über Frankreich und der Einigung des deutschen Bundes im zweiten deutschen Kaiserreich, schien aufstrebenden Geschäftsleuten alles möglich. Sie sahen, wie ihre Kollegen in England sich goldene Nasen in den Kolonien verdienten, und wollten mit ihnen gleich ziehen. 1882 wurde der „Deutsche Kolonialverein“ gegründet, 1884 die „Gesellschaft für Deutsche Kolonisation“. Sie verbreiteten den Traum von der exotischen Ferne bis in den letzten Winkel Deutschlands.
Die insgesamt drei deutschen Kolonien umfassten die Gebiete von
- Deutsch-Ostafrika (1885-1918) (heute die Länder Tansania, Burundi und Ruanda)
- Deutsch-Neuguinea (1899-1921) (heute Papua-Neuguinea)
- Kiautschou (1898-1914) (heute die chinesische Stadt Qingdao)
und wurden alle mit eigenen Währungen ausgestattet, um den lokalen Handelsbedürfnissen gerecht zu werden. Die erste deutsche Kolonialmünze war die in Berlin für Deutsch-Ostafrika geprägte 1 Rupie Silbermünze 1890. Die Münzen der Deutschen Kolonien beschreiben und bezeichnen also eine wichtige historische Epoche und sind heute noch Zeugnis der damaligen Geschehnisse. Entsprechend gefragt und beliebt sind die unterschiedlichen Münzen der Deutschen Kolonien auch heute noch bei vielen Sammlern.
Die Münzprägungen der deutschen Kolonie
Deutsch-Ostafrika
Die Silbermünzen, die seit 1891 emittiert wurden, erschienen in wesentlich geringerem Umfang. Sie präsentierten auf der Vorderseite den deutschen Kaiser, auf der Rückseite das Wappen der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft, einen schreitenden Löwen vor einer Palme. Sie lauteten auf 1/4, 1/2, 1 und 2 Rupien und paßten sich damit den örtlichen Währungsverhältnissen an.
All diese Münzen entstanden im Namen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, die sie in der Berliner Münzstätte auf eigene Kosten anfertigen ließ.




Später änderte sich das Münzbild der Silberrupien und auf der Rückseite ersetzte das Nominal den Löwen vor Palme.


Für die Heller wählte man für die Wertseite einen Lorbeerkranz, während die andere Seite die deutsche Kaiserkrone zeigte.
Bis 1914 wurden diese Münzen in Berlin und Hamburg geprägt. Nach 1914, während des 1. Weltkriegs hatten die Schiffe Probleme, die feindlichen Linien zu durchqueren und man eröffnete eine eigene Münzstätte in Tabora, der zweitgrößten Stadt in Deutsch-Ostafrika. Dort entstanden 1916 aufgrund von Silbermangel aber reichlich vorhandenem Gold, die wunderschöne Goldmünze zu 15 Rupien die auf der Vorderseite den Elefanten vor dem Berg Kilimandscharo zeigt und auf der Rückseite der Reichsadler mit Nennung des Nominals. Das Gold für die 15 Rupien Goldprägungen aus 1916 entstammen allesamt aus der Sekenke Goldmine und wurde in mit zwei verschiedenen Stempeln lediglich im Jahre 1916 ausgeprägt.

Deutsch-Neuguinea
Wesentlich überschaubarer sind die Prägungen aus Deutsch Neuguinea, das im Mai 1895 unter deutsche Kontrolle kam. Diese Kolonie ging auf die Initiative des Bankiers Adolph von Hansemann zurück. Der hatte während des Deutsch Französischen Krieges 1870/1 als Gründer und Eigentümer der größten Privatbank des Kaiserreichs für eine geregelte Finanzierung der Kriegshandlungen gesorgt und konnte dafür von Seiten der Regierung mit Verständnis für seine unternehmerischen Tätigkeiten rechnen.
Eine Erinnerung an diese Episode der deutschen Wirtschaftsgeschichte sind die prachtvollen Prägungen, die im Auftrag der Neuguinea-Kompanie in Berlin ausschließlich im Jahr 1894 angefertigt wurden. Berühmt ist die wunderschöne Darstellung der beiden Paradiesvögel, ein Design, das Otto Schultz, damals wohl der begabteste Stempelschneider der Berliner Münzstätte, entwickelte. Die Vögel zieren vom 10 Pfennig Stück aus unedlem Metall bis zum 20 Mark Stück in Gold alle Ausgaben.


Nur für das 1 und das 2 Pfennig Stück entwickelte man eine einfachere Variante. Sie nennt auf der Bildseite den Namen der Kompanie und zeigt zwei Palmzweige.

Kiautschou
Kiautschou, ein deutscher Hafen mitten in China. Erhofft hatte man sich einen Zugang zu dem gewaltigen Absatzmarkt, der China zu werden versprach. Natürlich besaß Kiautschou auch eigene Münzen, die allerdings im täglichen Geldumlauf nur eine geringe Rolle spielten. Es handelte sich um 5 bzw. 10 Cent, die auf der Vorderseite chinesische Schriftzeichen zeigten. Die Schriftzeichen im Inneren des Perlkreises standen für „Kaiserliche Deutsche Münze“, darüber las man „Tsingtao“ und „5 bzw. 10 Cent“.


Auch wenn lediglich Stücke mit der Jahreszahl 1909 erhalten sind, wurden diese nicht alle in dem gleichen Jahr hergestellt, sondern über mehrere Jahre verteilt.
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