Unter den bayerischen Goldmünzen des 17. Jahrhunderts nimmt der 5-Dukaten von 1640 eine herausragende Stellung ein. Kaum ein anderes Stück verbindet politische Geschichte, barocke Repräsentation und höchste Stempelschneidekunst auf vergleichbare Weise. Nicht ohne Grund gilt diese Großgoldmünze bis heute als eine der schönsten Prägungen Altbayerns.
Historischer Hintergrund: Münze als politisches Statement
Die Entstehung des Münchner 5-Dukaten ist unmittelbar mit den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verbunden. Nachdem bayerische Gebiete und auch München zeitweise von schwedischen Truppen besetzt worden waren, ließ Kurfürst Maximilian I. seine Residenzstadt umfassend neu befestigen. Dieses Bauprogramm sollte nicht nur Schutz bieten, sondern auch Stärke und Souveränität demonstrieren.
Zur Erinnerung an diese Maßnahme entstanden die repräsentativen 5-Dukaten-Stücke – weniger für den Zahlungsverkehr gedacht als vielmehr als Schaumünzen von höchstem Rang, bestimmt für Diplomatie, Repräsentation und höfische Selbstdarstellung.
Die Vorderseite: Macht, Rang und Selbstverständnis
Die Vorderseite zeigt Kurfürst Maximilian I. in voller Rüstung, frontal stehend und von imposanter Präsenz. In der rechten Hand hält er ein Schwert als Symbol militärischer Stärke, während die linke Hand nach dem auf einem Postament ruhenden Reichsapfel greift. Vor dem Sockel befindet sich das reich geschmückte, gevierte Wappen von Bayern und der Pfalz mit Kurhut, umgeben von der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies.
Die umfangreiche lateinische Umschrift nennt die vollständige Titulatur des Kurfürsten und unterstreicht seinen politischen Rang innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Bildsprache und Text verschmelzen hier zu einem bewussten Ausdruck von Autorität und Legitimation.
Die Rückseite: München unter göttlichem Schutz
Nicht weniger beeindruckend ist die Rückseite dieser Goldmünze. Über einer detaillierten Ansicht der Stadt München mit ihren sieben Schanzen schwebt die Madonna mit dem Jesuskind, ein Zepter in der linken Hand. Darunter findet sich der Bibelvers aus Psalm 127:
„Nisi Dominus custodierit civitatem, frustra vigilat qui custodit.“
– „Wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergeblich.“
Diese Darstellung verbindet religiöse Frömmigkeit mit politischer Botschaft und vermittelt das Selbstverständnis Münchens als von Gott geschützte Residenzstadt. Besonders bemerkenswert ist die für die Zeit außergewöhnlich präzise Stadtansicht mit der Frauenkirche im Zentrum – ein numismatisches Kunstwerk von hohem dokumentarischem Wert.
Stempelschneider: Meisterhand ohne Signatur
Obwohl der 5-Dukaten von 1640 keine signierten Stempel trägt, wird die Ausführung mit großer Wahrscheinlichkeit dem Münchner Stempelschneider Paul Zeggin zugeschrieben. Zeggin war von 1623 bis 1666 tätig und zählt zu den herausragenden Medailleuren seiner Epoche.
Die plastische Ausarbeitung der Figuren, die harmonische Komposition und die außergewöhnliche Detailtiefe sprechen klar für seine Hand. Besonders die Rückseite mit ihrer komplexen Architektur- und Figurenstaffelung gilt als stempelschneiderische Spitzenleistung.
Zwei bekannte Stempelvarianten
Von diesem 5-Dukaten-Typ existieren zwei Hauptvarianten, die sich ausschließlich auf der Rückseite unterscheiden:

(wie oben abgebildet)
Die Jahreszahl befindet sich im Feld und wird durch die Festungsmauer geteilt, links im Feld die 16, rechts die 40.
Variante 1
Die Jahreszahl 1640 ist im Münzfeld untergebracht und wird durch die Stadtmauer geteilt – links „16“, rechts „40“.

Die Jahreszahl 1640 wurde nun oben auf 12 Uhr in der Umschrift platziert.
Variante 2
Hier wurde die Jahreszahl vollständig in die Umschrift auf 12 Uhr verlegt.
Beide Varianten sind sammelwürdig, wobei Seltenheit und Erhaltung den Marktwert maßgeblich beeinflussen.
Literatur und Katalogisierung
Der Münchner 5-Dukaten von 1640 ist in allen maßgeblichen numismatischen Standardwerken erfasst, unter anderem:
- Friedberg, Gold Coins of the World, Nr. 196
- Beierlein, Die Münzen und Medaillen des Gesamthauses der Wittelsbacher, Nr. 807–811
- Hahn, Die Münzen der bayerischen Herzöge und Kurfürsten, Nachtrag Nr. 125
- Krause/Mishler, Standard Catalog of World Coins, Nr. 268–269
Marktwert: Was kostet ein 5-Dukaten von 1640?
Der Wert dieser außergewöhnlichen Goldmünze hängt stark vom Erhaltungsgrad ab. Die folgende Übersicht basiert auf realistischen Auktionsergebnissen der letzten Jahre:
- Sehr schön (ss): ca. 7.000 – 12.000 €
- Sehr schön – vorzüglich: ca. 12.000 – 15.000 €
- Vorzüglich (vz): ca. 15.000 – 28.000 €
- Vorzüglich – Stempelglanz: ca. 28.000 – 55.000 €
- Stempelglanz: ca. 55.000 – 100.000 €
Stücke in außergewöhnlicher Qualität erzielen regelmäßig internationale Spitzenpreise.
Ankauf, Verkauf und Beratung – Münzenhandlung Raffler
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